Sozialzentrum Husum schlägt Alarm

Deutlich mehr Kinder waren im Jahr 2021 in Husum und Umland von Wohnungslosigkeit bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt das Sozialzentrum in seinem Bericht zur Obdachlosigkeit. Daran sei vor allem ein Umstand schuld.

von Annika Jensen | 30. Januar 2022, 12:05 Uhr

HUSUM | Die Stadt hat ihren jährlichen Bericht zur Obdachlosigkeit und Vermeidung von Wohnungslosigkeit in Husum vorgelegt. Die Zahl der Haushalte, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, stieg von 493 Fällen im Jahr 2020 auf 521 Fälle im Jahr 2021, dem Berichtsjahr. Der Anteil der betroffenen Kinder nimmt stark zu. Bis 2035 fehlen rund 1200 Wohnungen der Kategorie sozial bezahlbar.

„Hinter der Anzahl der von Wohnungslosigkeit bedrohten Haushalte verbergen sich viele existentielle Belastungen und Schicksale“, schreibt Jürgen Laage vom Sozialzentrum Husum und Umland in seinem Bericht. „Vielfach fragten diese Personen wiederholt nach Hilfe, Unterstützung und Beratung im Sozialzentrum, wobei durch den akuten Mangel an Wohnraum Unterstützung selten adäquat möglich gewesen ist und die Vermeidung von Obdachlosigkeit und Prävention das oberste Ziel der Arbeit bleiben müssen.“

Der Mangel an sozial bezahlbarem Wohnraum in Husum, vor allem kleine Wohnungen, sei das Hauptproblem, warum Menschen von Wohnungslosigkeit bedroht sind. In Husum seien mit den 419 Euro, die Betroffene vom Kreis für die Miete bekommen, kaum Wohnungen zu finden, so Laage. Er bezweifelt, dass die gebrauchten 1200 Wohnungen in diesem Bereich in den kommenden Jahren bereitgestellt werden können.

Es sei nicht abzusehen, dass sie kommen werden, „obwohl einige Sozialwohnungen gebaut wurden, beziehungsweise in Planung sind und politisch beschlossen wurde, auf einer Quote von 30 Prozent bei Neubauten zu bestehen und Ferienwohnungen nur noch eingeschränkt zu genehmigen beziehungsweise die jeweilige Genehmigung einzufordern.“ Es gebe „aber immerhin Investorenanfragen und Pläne für konkrete Vorhaben, so dass in einigen Jahren mit kleinen Entlastungen zu rechnen ist.“

Hinter den 521 von Obdachlosigkeit bedrohten Fällen stecken 750 Personen. Die Zahl der Kinder unter ihnen ist stark angestiegen. Waren es im Jahr 2020 von 630 betroffenen Menschen noch 152 Kinder, waren im Jahr 2021 von den 750 Menschen 458 Kinder gefährdet, in die Obdachlosigkeit abzurutschen. Die Zahl der tatsächlich in Obdachlosenunterkünfte aufgenommenen Menschen lag im Jahr 2021 bei 13 und damit bei deutlich weniger als in 2020 mit 31 Personen. Neun Personen schafften es 2021 raus aus der Obdachlosigkeit, ebenfalls deutlich weniger als 2020. In dem Jahr gelang 23 Personen der Weg aus der Obdachlosigkeit.

Jürgen Laage betont in seinem Bericht, dass die tatsächliche Zahl von Wohnungslosen in Husum schwer zu erfassen ist. Es sei davon auszugehen, „dass es eine sehr hohe Zahl von Menschen gibt, die in völlig unzureichenden Wohnverhältnissen leben. Zum Beispiel in viel zu kleinen Wohnungen oder in Wohnungen mit massivem Schimmelbefall oder in Wohnungen von Freunden und Bekannten“, so Laage. „Diese Form verdeckter Wohnungslosigkeit ist statistisch kaum zu erfassen.“

Wohneck und Diakonisches Werk sind große Hilfen 

Eine große Hilfe sei nach wie vor die Wohneck NF gGmbH, die bei der Wohnungsvermittlung hilft. „Sie ist und wird immer mehr zum unverzichtbaren Teil des Hilfesystems der Wohnraumversorgung, die sonst für die Menschen, die Sozialbehörden und Ordnungsämter zu noch größeren Problemen führen würde“, sagt Jürgen Laage.

Auch das Diakonische Werk Husum leiste einen wichtigen Beitrag mit seinen niedrigschwelligen Hilfen wie Beratungsangeboten, Arbeitsprojekten, der Bahnhofsmission, der Wohnungslosenhilfe, dem Streetworkprojekt, dem Winternotprogramm sowie der Husumer Tafel und der praktischen Mitbetreuung der Obdachlosen vor Ort in den Obdachlosenwohnungen.

– Quelle: https://www.shz.de/35171062 ©2022